Heinsberger Land

Heins – der Blog

Geschichten aus dem Heinsberger Land

Kontakt
Endlich wieder Spargelzeit!

„Du musst sie ganz unten stechen. So weit unten wie es geht.“ Ich war drei Jahre alt und stand mitten in den fünf akkurat gezogenen Spargelwällen im Nutzgarten meiner Oma in Hückelhoven-Ratheim. Sie in Rock und Gartenschuhen und – wie immer – Dauerwelle in den weißen Haaren. Ich bewaffnet mit einem kleinen Körbchen für die Ernte und einem gebogenen Spargelmesser mit Holzgriff in der Hand. Das hatte schon weit vor meiner Geburt viele, viele Erntejahre treu gedient. Sie führte meine Hand, ich erntete stolz die ersten Spargelstangen des Jahres und lernte fürs Leben: Sobald sich an der glatt gestrichenen Erdoberfläche des Walls Risse zeigen, ist die leckere weiße Stange reif. Dann muss man sie vorsichtig mit der Hand freilegen und sie so tief es geht mit dem Spargelmesser kappen. Wichtig ist, dass das entstandene Loch wieder zugefüllt und die Erde glatt gestrichen wird, damit man erkennen kann, wenn Nachschub reif ist.


Wem bei diesem Anblick nicht das Wasser im Mund zusammen läuft … 

Spargelzeit. Schlemmerzeit! Für meine im Heinsberger Land beheimatete Familie waren die Wochen zwischen Mitte April und dem 24. Juni schon immer ein Highlight des Jahres. Und der beste Spargel natürlich der selbstgeerntete aus Omas Garten. Der wurde samstags gestochen, in ein Tuch eingeschlagen und in der dunklen, kühlen Speisekammer gelagert. Sonntags gab es dann frischen Heinsberger Spargel, Frühkartoffeln (wuchsen nebenan), Schinken vom ortsansässigen Metzger, von Oma selbstgemachte Sauce Hollandaise und zum Nachtisch Erdbeeren mit Sahne für alle. Himmlisch! Da konnte man sicher sein, dass alle am Tisch nur aufs Genießen aus waren. Die sonst dort üblichen Gespräche – ob erfreulich oder weniger – würden auf jeden Fall erst später stattfinden. Vielleicht beim Kaffee im Garten mit Blick auf die Ernte fürs nächste Wochenende.

Foto: K. Stieding

Ohne Spargel geht’s nicht nach Hause. 

Was für schöne Erinnerungen! Und heute? Na, die Leidenschaft für das weiße Saisongemüse ist sowohl bei meiner Mutter als auch bei mir ungebrochen. Beide behaupten wir, Spargel aus dem Heinsberger Land in jeder Blindverkostung heraus zu schmecken. Mein Onkel kam uns mal mit welchem aus Brandenburg – überhaupt kein Vergleich!

Foto: K. Stieding

Für Spargelliebhaber ein verheißungsvoller Anblick, so ein Folienfeld. 

Ehrliche Freude steigt mir ins Gesicht, wenn ich auf meinen Autofahrten durch die Gegend die Bauern die Spargelfelder mit Folie eindecken sehe, denn dann geht’s bald los. Später auf einer Radtour die Ernte beobachten – da läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Und in der Saison dann kaum eine Heimfahrt ohne Spargel und Erdbeeren im Gepäck. Und kaum ein Wochenende ohne einen Ausflug in die alte Heimat mit Spaziergang und Einkehr zum Spargelessen. Mal nach Wegberg, mal nach Wassenberg und natürlich auch nach Effeld.

Foto: K. Stieding

Spargel in der Hauptrolle beim Effelder Spargelfest.

Ach, Effeld. Wer’s noch nicht erlebt hat und das weiße Gemüse und die Region ebenso liebt, wie wir, der müsste unbedingt einmal zum Spargelfest nach Effeld. Traditionell findet es jedes Jahr an Christi Himmelfahrt statt, in 2019 bereits das 36. Mal. Das sonst so beschauliche hübsche Dorf verwandelt sich an diesem Tag in ein Mekka für Spargelgenießer mit Lust auf ordentlich Trubel. Stellen Sie sich ein richtiges Volksfest vor, mit Straßen- und Handwerkermarkt, Kunst-, Kinder- und Bühnenprogramm, bei dem die Erzeuger und Gastronomen der Region ihr „weißes Gold“ auf jede erdenkliche Art in Szene setzen. Ich selbst hab’s eigentlich lieber beschaulich und esse meinen Spargel dort gern gemütlich im Garten eines der allesamt empfehlenswerten Restaurants. Meine Mutter erinnert sich aber gut an zahlreiche Besuche des Spargelfestes. Vor allem an die immergleiche Frage am immergleichen Stand ihrer Wahl „Doch sischer mit enem Klecks Sauce?“.

Foto: K. Stieding

Ordentlich was los hier!

Mit großem Wohlwollen beobachten wir, dass unsere Heimat auch weit über ihre Grenzen hinaus für ihren Spargel bekannt ist. Sie steht für Qualität und besonderen Genuss. Und das obwohl der Spargel ein Saisongemüse ist und bleibt – oder vielleicht auch gerade deshalb. Wo bliebe schließlich all die Vorfreude, wenn man ihn immer haben könnte?!

Foto: K. Stieding

Feldfrisch und einfach lecker!

von Carolin Kämmer
Das könnte Sie auch interessieren:
 
Waldbaden: Baden ganz ohne Bikinifigur
 
Im Golfcaddy durch den Wildpark Gangelt
 
Wie ich zur Gästeführerin wurde.
Kommentar verfassen
Name *
E-Mail *
Webseite


Ihr Name*:


Ihr E-Mail-Adresse*:


Ihre Webseite:


Kommentare
Zu diesem Beitrag liegen noch keine Kommentare vor.
Schließen
rfwbs-slide