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Im Golfcaddy durch den Wildpark Gangelt

Man kann sich wirklich glücklich schätzen, wenn man so einen begeisterten Wildhüter wie Florian Wilde zu seinen Freunden zählen darf. Da ich dieses Glück habe, wollte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und kitzelte bei einem Besuch an seinem Arbeitsplatz im Wildpark Gangelt ein paar spannende Anekdötchen aus ihm heraus.

Nach einer kleinen Stärkung auf der herrlichen Sonnenterrasse von Haus Wildblick mit freiem Blick auf das Mufflongehege nahmen Florian und Parkhund „Enok“ mich auf eine kleine Führung durch den Wildpark mit – und das ganz stilecht mit ihrem treuen Weggefährten: dem Golfcaddy.

Welche Neuigkeiten ich dabei aus Florian heraus locken konnte und was er als Wildhüter in seinem Alltag so erlebt, lesen Sie im folgenden, kleinen und ganz persönlichen Interview.

Kleine Stärkung im Haus Wildblick – mit toller Aussicht

Im Wildpark Gangelt gleicht kein Jahr dem anderen – was gibt’s Neues bei Euch?

Oh, da gibt es ziemlich viel zu berichten! Seit diesem Frühjahr halten die Neuzugänge „Bea“ und „Aenne“ unsere betagte Tarpan-Dame ordentlich auf Trab. Die zwei Stuten sind ungefähr ein Jahr alt und voller Tatendrang. Wir nutzen ihre Energie und Neugierde, um mit ihnen Halfterführigkeit, Hufaufheben und Abstreicheln zu üben. Wir sind richtig stolz darauf, dass wir die Möglichkeit haben, uns für ein solches Training Zeit nehmen zu können. Unsere Praktikantin Jana Trepels hat sich in den letzten Monaten sehr liebevoll um die Tarpane gekümmert und die Stuten verstehen sich mittlerweile super. In absehbarer Zeit soll die kleine Herde noch männliche Verstärkung bekommen.

Praktikantin Jana Trepels und „Aenne“

Unser Wisent-Bulle „Eisig“, der unseren Park seit 2018 bereichert, fühlt sich in Gesellschaft der zwei jungen Kühe ebenfalls pudelwohl. Wir hoffen sehr, dass im nächsten Jahr Kälber auf die Welt kommen,  die wir im Rahmen eines Auswilderungsprojektes für Wisente auswildern möchten. Und wenn die Besucher aus der Falknerei einen unverwechselbaren Schrei hören, dann ist er mit großer Wahrscheinlichkeit von der „die Stimme Afrikas“ – unserem neuen Schreiseeadler, der seit kurzem bei uns wohnt und während der Flugshows alle Blicke an sich reißt.

Da haben einige Tiere auf jeden Fall ein tolles neues Zuhause gefunden! Bei so vielen Bewohnern gibt es bestimmt viele Geschichten zu erzählen. Was waren die für Dich emotionalsten Momente, die Du bisher im Park erlebt hast?

Es gibt viele emotionale Momente, die ich seit meiner Beschäftigung als Wildhüter miterlebt habe. Zwar überwiegen hierbei die schönen Ereignisse, aber es gibt hin und wieder auch Anlass, traurig zu sein. Mich persönlich hat es sehr mitgenommen, als unser Braunbär „Bruno“ voriges Jahr leider starb. Er ist auf die Woche genau 30 Jahre alt geworden und ist uns allen über all die Jahre unglaublich ans Herz gewachsen. So etwas geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei.

Da war Bruno ja wirklich ein richtiges Urgestein des Parks. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr ihn vermisst. Es gibt aber bestimmt auch Fröhliches zu berichten, oder?

Absolut! Für mich ein richtiges Highlight: In unserem Wildschweingehege wohnen seit letztem Jahr fünf ganz besondere Wildschweine. Und das kam so: Im Frühjahr 2018 bekam ich einen Anruf, dass in einem Waldstück im Sauerland mutterlose Frischlinge gefunden wurden. Ohne lange zu zögern, machte ich mich sofort mit einer großen Transportkiste und warmen Decken im Kofferraum auf den Weg zu den Kleinen. Wir gehen davon aus, dass die Bache bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und die Frischlinge etwa zwei Tage alt waren. Ohne ihre Mutter hätten sie wohl kaum überleben können. Also nahm ich sie mit zu mir nach Hause und päppelte sie gemeinsam mit meiner Schwester Laura mit Infrarotlampen und Trinkfläschchen auf. Nach einigen Tagen waren sie zum Glück quickfidel. Da hat sich die Zuwendung mehr als gelohnt!

Wie alles begann …

Als sie dann größer wurden, bauten wir ihnen auf unserem Innenhof ein Gehege, in dem sie ausgiebig herumtollen und so richtig „Schwein“ sein konnten.

Manieren beim Fressen? Fehlanzeige!

Nach einem halben Jahr waren sie schließlich groß genug für die Wildschweinrotte im Wildpark, wo sie seitdem zuhause sind. Doch wer jetzt denkt, die fünf Wildschweine würden uns nicht mehr wiedererkennen, der hat sich geirrt: Sind Laura oder ich im Gehege, sind sie sofort zur Stelle, um sich von uns ihre Streicheleinheiten abzuholen – und da sie nicht mehr die süßen kleinen Frischlinge von damals sind, sondern inzwischen schon zu den sogenannten „Überläufern“ im zweiten Lebensjahr zählen, steckt ganz schön viel Kraft in ihnen. Da geht die Begrüßung dann auch gerne mal etwas wilder zu!

Florian wird stürmisch begrüßt

Laura verteilt Streicheleinheiten

Ein Schweinchen ist übrigens ein bisschen kleiner als seine Geschwister. Wir haben ihn letztes Jahr „Ohrschlecker“ getauft, weil es die Angewohnheit hatte, ausschließlich die Milch, die bei der Fütterung auf den Ohren seiner Geschwisterchen landete, von dort abzuschlecken. Dadurch kam er im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen zu kurz – das tut seiner Lebensfreude aber absolut keinen Abbruch! Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, freue ich mich immer schon auf unsere kleinen Schützlinge.

Heute sind es stattliche Kerle

Das ist wirklich eine süße Geschichte! Apropos Schützlinge – hast Du denn neben den fünf Wildschweinchen noch einen weiteren „Lieblings-Schützling“ im Park?

Ich habe eine sehr enge Bindung zu unserem 3-jährigen Alpha-Wolfsrüden „Nathan“, der seit letztem Jahr bei uns ist. Zunächst war er recht scheu, aber er hat mir schnell sein Vertrauen geschenkt und er besitzt einen unglaublich lieben und neugierigen Charakter. Mit einer Hundepfeife habe ich ihm beigebracht, wann Fütterungszeit ist und er sich seinen Leckerbissen bei mir vorne am Gehege abholen kommen kann. Mittlerweile kann ich mich auch in sein Revier trauen, da wir uns gegenseitig respektieren. Ich habe sogar das Gefühl, dass er ähnlich wie ein Hund versucht mit mir zu kommunizieren.

Wolf „Nathan“ in Begleitung

Es ist wirklich eine Schande, dass Wölfe in den Medien derzeit oft als allgemein angriffslustig und gefährlich dargestellt  werden. Wölfe sind keine „blutrünstigen Bestien“, wie in den meisten Märchen erzählt wird, sondern schützenswerte Raubtiere, die in freier Natur für das Ökosystem eine wichtige Rolle spielen. In der Regel machen sie sich nämlich kranke oder schwache Tiere zur Beute und halten somit die Bestände ihrer Beutetiere in einem gesunden Gleichgewicht.

Im Wolfsgehege ist auch die Wölfin „Hamni“ zuhause. Ab dem zweiten Lebensjahr sind Wölfe geschlechtsreif. Da ihre Paarungszeit im März ist, hatten wir gehofft, dass Hamni und Nathan bereits in diesem Jahr Nachwuchs bekommen. Aber im Moment gibt’s noch keine Anzeichen. Vielleicht überraschen die beiden uns in den nächsten Wochen ja noch – und falls nicht, dann hoffentlich im nächsten Jahr.

Ein super Team, ihr Zwei! Echt schön zu sehen, wie zutraulich er in Deiner Nähe ist. Danke für den tollen Blick „hinter die Kulissen“! Im Wildpark ist auf jeden Fall so einiges los. Was habt Ihr dieses Jahr Besonderes im Programm?

Unser Park feiert sein 50. Jubiläum und lud vom 30.05. bis 02.06.2019 Groß und vor allem auch Klein herzlich zum Mitfeiern ein. Kinder hatten freien Eintritt und wurden mit Kinderschminken, Comedy- und Walk-Acts sowie einem Jahrmarkt anno 1969 verwöhnt. Es fuhr sogar eine „Wildpark-Bahn“ durch den Park und am Sonntag traten die „Original Rodebachtaler“ auf. Die haben es ordentlich krachen lassen. Ein Besuch bei uns ist eigentlich aber immer ein Fest! 🙂

Mein Fazit zu diesem aufregenden Tag mit Florian im Golfcaddy? Der Wildpark Gangelt ist ein großartiges Ausflugsziel! Egal ob Tierfreund, Hobbyfotograf oder einfach nur Naturgenießer – hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Der Park besticht durch seine gemütliche Atmosphäre und seine Naturbelassenheit, wodurch er einen sehr hohen Erholungswert hat. Die Gehege sind wunderschön in den Wald integriert und dank ihrer naturnahen Gestaltung dem Lebensraum wildlebender Tiere super nachempfunden – ohne unnötigen Schnickschnack. Hier wird es dank der vielen großen und kleinen Bewohner und ihrer Geschichten nie langweilig.

Vielen Dank für den tollen Tag, Flo!

von Chantal Küsters
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