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Geschichten aus dem Heinsberger Land

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Rollen an der Rur

Die Frage, ob das hier noch Niederrhein oder schon irgendeine andere Landschaft ist, erübrigt sich bereits kurz hinter Körrenzig. Mit Verlaub: ein mir bis dato unbekanntes Nest, nördlich von Linnich. Hier auf dem Radweg entlang der B57 bläst mir der Gegenwind genauso kräftig ins Gesicht wie auf der Via Romana bei Xanten. Anstrengend, Mann!

Zum Glück geht es gleich rechts ab – und danach, soviel vorweg, wird mich ein angenehmer Seitenwind bis nach Roermond begleiten. Dort mündet nach 164,5 Kilometern die Rur in die Maas, dort endet nach 172 Kilometern der RurUfer-Radweg, über dessen letzte rund 50 Kilometer ich heute rolle; inklusive einer kleinen Zugabe, dazu später mehr.

Startpunkt: der ziemlich einsame Bahnhof in Baal, einem 3500-Einwohner-Ort, der amtlich zu Hückelhoven gehört. Von Düsseldorf aus gut mit dem Regionalzug in Richtung Aachen zu erreichen. Keine fünf Kilometer von hier kreuzt die Rur die eben erwähnte äußerst windige Bundesstraße – das Vergnügen kann beginnen.

Das Heinsberger Land ist schön flach, die Rur fließt gemächlich, der Pedaltritt ist gemütlich. Und weil der Weg entlang des Flussufers bestens ausgeschildert ist, bleibt die Spiralbuchkarte in der Lenkertasche. Blau-grüne Schilder mit der Aufschrift „Rur / Roer“ weisen den Weg. Sowieso verläuft die Strecke bis zur deutsch-holländischen Grenze meist ziemlich nah am Wasser; wer sich hier verfährt, hat ganz andere Probleme.

Auf geht’s! Mit Radkarte oder, bequem, nach dem Knotenpunktsystem.

Die erste Erkenntnis des Tages: Die Rur schimmert heute braun. Später erklärt mir ein Einheimischer, den ich am Hilfarther Wehr treffe, dies habe mit den Regenfällen der letzten Tage zu tun. An anderen Tagen würde sich der Fluss, der am Signal de Botrange, dem höchsten Punkt in Belgien, entspringt, wie ein blaues Band durch die Tiefebene ziehen. Klingt schon nett.

Zwischen Brachelen und Rurich führt die Rur-Route auf Wirtschaftswegen zwischen Feldern hindurch, auf denen gerade junger Mais aus dem Boden lugt. Am Wegesrand blühen Kamille, Klatschmohn und Kornblumen bunt auf. Autos dürfen hier zum Glück nicht fahren, nur Trecker und andere Landmaschinen, doch von denen fehlt jedes Geräusch und jede Spur. Ein Moment der Idylle.

Zaungäste. Es müssen nicht immer nur Schwarzbunte sein.

Noch ist es ziemlich früh – ich bin allein unterwegs. Später, vor allem rund um die grüne Grenze, ändert sich das. Aber bis dahin ist es noch ein schöner, meist schotteriger, manchmal asphaltierter Weg. Kurz vor Hilfarth gibt der Wald den Blick frei. Aus dem Dorf ragt die imposante Pfarrkirche Sankt Leonhard heraus, von den Menschen ehrfurchtsvoll Rurtaldom genannt.

Das Gotteshaus ist leider noch zu, ebenso das Korbmachermuseum, in dem ein Café eingerichtet ist (geöffnet sonntags 13-17 Uhr, montags 9-12.30 Uhr oder nach Absprache, Infos im Internet: www.rurtal-korbmacher.de).

Ideal für eine Pause, hier gibt es auch ein Café. Öffnungszeiten beachten!

Zurück zum Fluss, der über die Rurbrücke zwischen Hilfarth und Hückelhoven überquert werden muss. Nun führt der Weg zur Abwechslung mal auf der rechten Uferseite weiter. Auf Höhe von Hückelhoven ist von weitem der rostrote Förderturm der längst stillgelegten Zeche Sophia-Jacoba zu sehen. Heute ein Besucherbergwerk, das nach vorheriger Anmeldung einen Abstecher lohnen könnte (Infos: www.schacht-3.de).

Die Alternative: Das nächste Mal geht’s aufs Wasser, bestimmt.

Aus eigener Erfahrung, sprich: Besteigung, wirklich empfehlenswert: ein kleiner Umweg hinauf zur Millicher Halde. Der Hügel ist rund 120 Meter hoch, eine so genannte Himmelstreppe führt über selbst gezählte 400 Stufen rauf aufs Plateau. Dort oben steht eine elf Meter hohe Plattform, von der man eine großartige Aussicht hat; wenn die Luft noch nicht allzu sehr flimmert.

Wegkreuzung: Links geht es hoch zur Millicher Halde. Der Aufstieg lohnt sich!

Ein Selfie der alten Schule: mit Selbstauslöser.

Wer die Städte Hückelhoven links und Wassenberg rechts liegen lässt, und immer weiter flussabwärts weiter radelt, trifft irgendwann auf die Schilder des Fischlehrpfades Eifel-Rur. Mehr als 40 heimische Arten tummeln sich wieder in der Rur und in ihren Altarmen. Wie der Lachs kommt auch die Meerforelle über die Nordsee zum Laichen ins Süßwasser und wandert die Rur hinauf.

Kurz vor Effeld, dem Gold- und Spargeldorf, also kurz vor der grünen Grenze, knickt der Ruruferweg ab vom Fluss – und folgt jetzt bloß noch in Sichtweite oder gefühlter Nähe seinem Verlauf. Einerseits schade, andererseits ist die Roer in den Niederlanden noch sehr viel naturbelassener als auf deutschem Gebiet.

Von der Rur zur Roer, das ist ein grenzenloses Vergnügen.

Auch in Holland fietse ich ohne Karte, einfach und bequem weiter nach dem Knotenpunktsystem. Durch Vlodrop hindurch geht es schnell nach Sint Odiliënberg, für mich die große Überraschung kurz vor Roermond. Die romanische Basilika mit ihren zwei Türmen ist ein echter Hingucker. Gleich daneben duckt sich die kleine Onze Lieve Vrouwekapel und komplettiert das pittoreske Bild.

Pittoresk! Sint Odiliënberg. Hier gibt es den wohl letzten Biergarten vor der Autobahn.

Genau der richtige Ort für ein kleine Pause vor dem städtischen Trubel. Proost! Ein lekker biertje auf die letzten fünf Kilometer! Bis zur Mündung der Roer in die Maas. Wie es dort genau aussieht, wird an dieser Stelle nicht verraten: Selber hinfahren!

Übrigens: Die Rückreise will klug geplant sein. Denn mit dem Zug von Roermond nach Deutschland zu fahren, ist etwas umständlich. Ich habe mich für eine kleine Verlängerung entschieden – und bin mit dem Rad schnurstracks durch das beliebte Naturschutzgebiet De Meinweg gesaust. Bis zum ziemlich einsamen Bahnhof in Dalheim-Rödgen. Von hier aus schleicht die Schwalm-Nette-Bahn (RB 34) bis nach Mönchengladbach, dort gibt es Anschluss an den Rest der Welt.

Mehr Infos: www.rureifel-tourismus.de/a-rur (GPX-Track). Mindestens eine Planungshilfe: RurUfer-Radweg, Bikeline-Spiralbuch, Verlag Esterbauer, 120 Seiten, mit Karten, Sehenswürdigkeiten, Einkehr- und Übernachtunsgadresse etc., 13,90 Euro.

Ingo Plaschke, Niederrhein-Reporter (hauptberuflich für die Neue Rhein Zeitung unterwegs)

von Ingo Plaschke
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Kommentare
Emanuela Fiorone
03.03.2019 | Auf diesen Kommentar antworten

Hallo Herr Plaschke, es sind zwei schöne Beiträge, die Sie geschrieben haben. Es freut mich zu lesen, wie sie durch Ihre Unternehmungen das Heinsberger Land entdecken... Liebe Grüße aus dem Selfkant, Emanuela Fiorone
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