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Wie aus dem Bilderbuch: Der Birgeler Urwald

„Lasst uns mal im Birgeler Urwald wandern!“ Mit diesem Vorschlag überrascht mich ein Freund, der zu meiner kleinen privaten Wandergruppe zählt. Wir sind zu viert und reihum muss jeder ein Ziel für unsere Ausflüge vorschlagen. Ich befrage zunächst mal das Internet. Man will ja nicht dumm dastehen, außerdem bin ich schon neugierig. „Urwald“, das klingt nach verwunschenen Waldwegen durch Gehölzdickicht und nach Wolfsgeheul bei Vollmond. Nun gut, ganz so wildromantisch ist es nicht. Aber immerhin handelt es sich hier um einen der „Premiumwanderwege“ in NRW.

An einem Samstag geht es dann los. Wir treffen morgens um 10 Uhr am „Haus Wildenrath“ ein, dem Ausgangspunkt für unseren Rundwanderweg durch den Birgeler Urwald. Ich habe vorsichtshalber meine robusten Wanderschuhe angezogen, die mich schon mehrere tausend Kilometer durch Frankreich und Spanien begleitet haben. Vielleicht müssen wir uns ja doch durchs Dickicht schlagen oder wenigstens Brennesseln oder querliegenden Baumstämmen ausweichen.

„Haus Wildenrath“ ist eine hübsche Hofanlage, bestehend aus mehreren Fachwerkhäusern. Hier ist ein Naturlehrpfad eingerichtet, der Besucher und Schulklassen die heimische Fauna und Flora näherbringt. Wir laufen mitten durch das Gelände, vorbei an einem Backofen aus Lehm, in dem ab und zu tatsächlich Brot gebacken wird. Ungewöhnlich ist ein großer Turmbau, der vielen Arten als Insektenhotel dient. Dann fällt auch schon das erste Hinweisschild des Wanderweges auf: ein weißes, geschwungenes W auf blauem Grund, darunter der Schriftzug „Birgeler Urwald“ und ein Pfeil mit der entsprechenden Wegrichtung. Dieses Schild soll uns auf der rund 14 Kilometer langen Strecke zuverlässig den Weg weisen.

Dieser ist sehr abwechslungsreich. Schmale Pfade durch lichten Laubwald wechseln sich ab mit breiten Waldwegen, die kerzengerade durch mächtige Buchenbestände führen. Wo sich der Wald lichtet, sind saftige Wiesen zu sehen, auf denen jetzt im Frühjahr Hasenglöckchen in kräftigem Blau-Violett blühen. Eine Sehenswürdigkeit auf dem Weg ist das „Birgelener Pützchen“, eine Wallfahrtskapelle mitten im Wald. Hier treffen wir auf andere Besuchergruppen, die hier auf den Bänken vor der Kapelle eine kurze Rast einlegen.

Wir gehen aber weiter und laufen wieder durch Buchenhallenwald und über schmale Trampelpfade. Plötzlich bleibe ich stehen und frage meine Wanderfreunde: „Hört ihr das?“ „Ich höre nichts!“, kommt dreifach die Antwort. Genau das ist es – es ist still in diesem Wald. Kein Motorbrummen von einer Straße, kein Flugzeug am Himmel stört diese Idylle. Stattdessen erklingt munteres Vogelzwitschern. Was für ein wohltuender Unterschied zur lauten Stadt! Wir wollen dieses Schweigen im Wald genießen und setzen uns gegen Baumstämme gelehnt auf den Waldboden. Mir kommt bei dieser Stille der Gedanke an den geplanten Windpark, der hier errichtet werden soll. Es wäre wirklich schade, wenn diese Naturoase durch moderne Stomerzeugung zerstört würde, sei sie auch noch so ökologisch.

Die Pause hat gutgetan und gedankenversunken setzen wir unseren Weg fort, der landschaftlich sehr abwechslungsreich bleibt. Es gibt steile Anstiege, die man in der Gegen um Wildenrath kaum vermutet, wir überqueren mehrfach den schmalen Schaagbach, folgend schmalen Wiesenpfaden und laufen über Holzstege durch ein feuchtes Bruchgebiet. Schließlich endet der Rundweg und wir erreichen wieder „Haus Wildenrath“. Wer mit rund 14 Kilometern noch nicht genug hat, kann den Rundweg auch verlängern und einen Abstecher zur Dalheimer Mühle machen. Hier sitzt man draußen auf der Terrasse und kann zum Beispiel heimischen Spargel genießen. Und dabei beschließen wir vier Wanderer, schon bald wieder durch den Birgeler Urwald zu wandern, dieses naturnahe Kleinod mitten im Kreis Heinsberg.

von Helga Hermanns
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